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Information

Es gibt verschiedene mathematische Definitionen von Information. Wir betrachten hier nur die beobachtete und die Fisher-Information (im nächsten Kapitel werden wir die Information nach Shannon kennen lernen).

Sei wieder \(f(x|\theta)\) die Datendichte der Zufallsvariable \(X\) gegeben dem (skalaren) Parameter \(\theta\). Diese Dichte bzw. Likelihood beschreibt uns den Zusammenhang der Daten mit dem Parameter, also wie viel Information über den Parameter in den Daten \(x\) vorliegt.

Fisher-Information

Als Fisher-Information definiert man den Erwartungswert des Quadrats der Ableitung der Log-Dichte:

\[ I(\theta) = \text{E}\left[ \left( \frac{d}{d\theta}\log(f(X|\theta)) \right)^2 \right] \]

Alternativ kann man die Fisher-Information definieren als negativen Erwartungswert der zweiten Ableitung der Log-Dichte:

\[ I(\theta) = \text{E}\left[ - \left( \frac{d^2}{d\theta^2}\log(f(X|\theta)) \right) \right] \]

Hintergrund

In der Likelihood-Inferenz bezeichnet man die Ableitung der Log-Likelihood als Score-Funktion. Setzt man die Score-Funktion gleich Null, kann man den Maximum-Likelihood-Schätzer herleiten.

Vor der Beobachtung ist die Scorefunktion aber eine Zufallsvariable

\[ s(X)=\frac{d}{d\theta}\log(f(X|\theta)) \]

Die Fisher-Information ist dann als Varianz der Score-Funktion definiert, was dem Erwartungswert des Quadrats der Score-Funktion entspricht (der Erwartungswert der Score-Funktion ist Null). Eine große Varianz der Score-Funktion bedeutet, dass die Log-Likelihood stark auf den Parameter reagiert, also stark gekrümmt ist.

Steckt also viel Information über den Parameter in den Daten, so ist die Fisher-Information groß. Unsere Unsicherheit über den Parameter ist dann klein: Ein Schätzer kann eine entsprechend kleine Varianz haben.

Über die Fisher-Information lässt sich zudem eine untere Schranke für die Varianz eines Parameterschätzers berechnen, die sogenannten “Cramér-Rao-Schranke”:

\[ \text{Var}(\hat{\theta}) \geq \frac{1}{I(\theta)} \]

für alle möglichen \(\theta\).

Die Fisher-Information ist identisch zum negativen Erwartungswert der zweiten Ableitung der Log-Dichte, falls diese existiert, und wird oft auch so definiert.

Jeffreys’ Priori

Aus der Fisher-Information lässt sich Jeffreys’ Priori berechnen:

\[ p^{*}(\theta) \propto I^{1/2}(\theta) \]

Jeffreys’ Priori ist invariant gegenüber Reparametrisierungen. Wenn also \(p^{*}(\theta)\) eine Jeffreys-Priori ist, dann ist \(p^{*}(\phi(\theta))\) wieder eine Jeffreys-Priori für \(\phi(\theta)\).

Beweis

Die Eigenschaft lässt sich (für bijektive Transformation \(\phi(\theta)\)) über den Transformationssatz für Dichten nachweisen. Sei \(p(\theta)\) eine Dichte bezüglich \(\theta\) und bezeichne \(\theta(\phi)\) die Umkehrtransformation:

\[\begin{eqnarray*} p^{*}(\phi)&=&p^{*}(\theta)\left|\frac{d \theta(\phi)}{d\phi}\right| \\ &\propto&\sqrt{E_X\left[\left(\frac{d\log(f(X|\theta(\phi)))}{d\theta(\phi)}\right)^2\right]}\left|\frac{d \theta(\phi)}{d\phi}\right|\\ &=& \sqrt{E_X\left[\left(\frac{d\log(f(X|\theta(\phi)))}{d\theta(\phi)} \frac{d\theta(\phi)}{d\phi} \right)^2\right]}\\ &=& \sqrt{E_X\left[\left(\frac{d\log(f(X|\theta(\phi)))}{d\phi} \right)^2\right]} = \sqrt{I(\phi)} \end{eqnarray*}\]

Binomialverteilung

Wir leiten Jeffreys’ Priori für die Bernoulliverteilung her. Die Dichte ist

\[ f(x|\pi)=\pi^{x}(1-\pi)^{1-x} \]

Die Log-Dichte ist

\[ \log(f(x|\pi)) =x\log(\pi) + (1-x)\log(1-\pi) \]

Die Ableitung nach \(\pi\) ist

\[ s(x)=\frac{d}{d\pi}\log(f(x|\pi)) = \frac{x}{\pi} - \frac{1-x}{1-\pi} \]

Vor der Beobachtung ersetzen wir \(x\) durch die Zufallsvariable \(X\). Dann berechnen wir den Erwartungswert von \(\left(s(X)^2\right)\):

\[\begin{eqnarray*} I(\pi) &=& \text{E}\left[\left(s(X)^2\right) \right]\\ &=& \pi \left(\frac{1}{\pi} - \frac{0}{1-\pi}\right)^2 + (1-\pi)\left(\frac{0}{\pi} - \frac{1}{1-\pi}\right)^2\\ &=&\frac{1}{\pi}+\frac{1}{1-\pi} = \frac{1}{\pi(1-\pi)} \end{eqnarray*}\]

Jeffrey’s Priori ist dann

\[ p(\pi) \propto \sqrt{I(\pi)} = \pi^{-\frac{1}{2}}(1-\pi)^{-\frac{1}{2}} = \pi^{(\frac{1}{2}-1)}(1-\pi)^{(\frac{1}{2}-1)} \]

Dies entspricht der Dichte einer Beta\(\left(\frac{1}{2},\frac{1}{2}\right)\)-Verteilung.

Quiz

Sei \(X\sim U(0,\theta)\), also stetig gleichverteilt auf dem Intervall \((0,\theta)\).

Quiz

Hinweis: Realistischerweise hat man mehr als eine Beobachtung. Die Herleitung von Jeffreys’ Priori ist bei diesem Beispiel dann allerdings eher komplex.

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Jeffreys’ Priori